Leitfaden zu Flussmitteln zum Weichlöten: Produktübersicht und professionelle Anwendungen
Leitfaden zu Flussmitteln zum Weichlöten: Produktübersicht und professionelle Anwendungen
Weichlöten, also das Verbinden von Metallen bei Arbeitstemperaturen unter 450°C, ist ein Fügeverfahren, das in zahlreichen Bereichen von Industrie und Handwerk eingesetzt wird: von Dachdecker- und Bauklempnerarbeiten über Sanitärinstallationen und die Reparatur von Fahrzeugkühlern bis hin zur Elektronik, zur Metallgestaltung und zur Herstellung von Glasmalereien. Neben dem geeigneten Lot ist ein richtig ausgewähltes Flussmittel entscheidend für eine feste und dauerhafte Verbindung. Seine Hauptaufgaben bestehen darin, Metalloxide von den Oberflächen zu entfernen, das Fließ- und Benetzungsverhalten des Lots zu verbessern und die Oberflächen während des Erwärmens vor erneuter Oxidation zu schützen.
Chemische Klassifizierung – was steckt hinter DIN EN 29454-1 (ISO 9454-1)?
Flussmittel zum Löten werden nach festgelegten normativen Kriterien eingeteilt. Die Norm DIN EN 29454-1, die der ISO 9454-1 entspricht, klassifiziert Flussmittel anhand ihrer chemischen Zusammensetzung. Dieses Kennzeichnungssystem ist sehr präzise: Es berücksichtigt den Flussmitteltyp, die chemische Grundlage, die Art des Aktivators und die Lieferform des Produkts. Bei der Lieferform steht der Buchstabe A für flüssig, beispielsweise bei unserem armack Lötwasser ZWN, DIN EN 29454-1, 3.2.2 A, B für fest und C für pastenförmig, beispielsweise bei unseren Pasten mit der Kennzeichnung 3.1.1 C.
Die Einordnung nach einer Norm ist jedoch erst der Ausgangspunkt. Die Eignung und das praktische Verhalten eines Flussmittels müssen durch spezielle Prüfverfahren ermittelt werden. Prüfungen nach genau festgelegten Labormethoden können zwar nicht unter allen extremen Werkstattbedingungen eine vollständige Zuverlässigkeit garantieren. Sie ermöglichen jedoch eine hinreichend sichere Einschätzung einer entscheidenden Frage: Müssen die Flussmittelrückstände nach dem Löten unbedingt entfernt werden oder nicht? Wer diesen Zusammenhang versteht, kann spätere Korrosionsprobleme an den gelöteten Bauteilen vermeiden.
Vergleich der Klassifizierungen
Vergleich der Klassifizierung nach DIN EN 29454-1 mit der veralteten deutschen Norm DIN 8511:
- Flussmittel mit korrosiven Rückständen beim Löten von Schwermetallen: beispielsweise F-SW-11, entsprechend 3.2.2; F-SW-12, entsprechend 3.1.1; F-SW-13, entsprechend 3.2.1.
- Flussmittel mit unter bestimmten Bedingungen korrosiven Rückständen: beispielsweise F-SW-21, entsprechend 3.1.1 oder 1.1.2; F-SW-26, entsprechend 2.1.2 oder 2.2.2.
- Flussmittel mit nicht korrosiven Rückständen: beispielsweise F-SW-31, entsprechend 1.1.1; F-SW-32, entsprechend 1.1.3; F-SW-33, entsprechend 1.2.3; F-SW-34, entsprechend 2.2.3.
Die Norm DIN 8511 ist veraltet und seit 1996 zurückgezogen. Die früheren Flussmittelbezeichnungen, beispielsweise F-SW 32 oder F-SW 26, sind jedoch weiterhin gebräuchlich.
So lesen Sie die Klassifizierung 3.2.2 A nach DIN EN 29454-1 am Beispiel des armack Lötwassers ZWN
- 3: anorganisch
- 2: Säuren
- 2: andere Säuren
- A: flüssig
Mit diesem Hintergrundwissen betrachten wir nun unsere Produkte im Einzelnen, gegliedert nach ihren Einsatzbereichen und Eigenschaften. Das armack Sortiment umfasst eine breite Auswahl an Flussmitteln für unterschiedliche Werkstoffe und Arbeitsbedingungen. Die Zuordnung zu „Dachdecker-Flussmitteln“, „Installations-Flussmitteln“ oder „Flussmitteln für den Fahrzeugbereich“ ist dabei häufig nur eine vereinfachte Einteilung. In der Praxis bewähren sich dieselben Produkte auch in Branchen, die auf den ersten Blick wenig miteinander gemeinsam haben.
Flüssigkeiten, Gele oder Pasten – welche Flussmittelform ist die richtige?
Die Lieferform des Flussmittels beeinflusst den Arbeitskomfort und die Genauigkeit der Anwendung erheblich. In unserem Sortiment finden Sie Produkte in drei Hauptformen:
- Flüssigkeiten und Lötwässer: Dazu gehören unter anderem CWK, ZWN, ZWS, ZW-witt, CLW sowie das Lötöl RST. Ihre Vorteile sind die hohe Fließfähigkeit und das schnelle Eindringen in Kapillarspalte. Sie verteilen sich rasch, was insbesondere beim Löten größerer Blechflächen erwünscht ist.
- Gele: Hierzu zählen insbesondere Produkte wie C66 oder der Flussmittelstift X32. Ihre viskose Konsistenz verhindert das Ablaufen des Flussmittels, beispielsweise beim Löten senkrechter Rohrabschnitte, und ermöglicht ein gezieltes Auftragen.
- Pasten und Lötfette: Zu dieser Gruppe gehören das Lötfett zum Weichlöten sowie bereits lothaltige Pasten wie LF, beispielsweise LF Nr. 3, und WSN in den Varianten 25, 40 und 60. Sie sind besonders praktisch beim Löten von Kupferrohren und beim Verzinnen von Karosserien, da sie sehr gut am zu erwärmenden Bauteil haften.
Ein Flussmittel, viele Branchen – vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Ein besonders anschauliches Beispiel für die branchenübergreifende Verwendung von Flussmitteln sind Produkte, die traditionell mit Dachdecker- und Bauklempnerarbeiten verbunden werden: ZWS, ZWN, CWK und ZW-witt. In der Bauklempnerei werden sie zum Löten von verzinkten Stahlblechen, Zinkblechen und Titanzink eingesetzt.
Ein gutes Beispiel für ein Produkt, dessen Einsatzmöglichkeiten über eine einzelne Branche hinausgehen, ist das Lötwasser CWK. Dachdecker und Bauklempner verwenden es gerne zum Löten von Kupferdachrinnen. Gleichzeitig gehört es zur Grundausstattung von Kfz-Elektrikern und Unternehmen, die Kühler herstellen oder reparieren. CWK entfernt wirksam Patina und Verunreinigungen an älteren Leitern oder Messinglamellen von Kühlern.
Ähnlich vielseitig ist ZWN. Es wird im Dach- und Bauklempnerbereich zum Löten verzinkter Bleche eingesetzt, eignet sich aber auch für andere Anwendungen, bei denen dünnwandige Stahlbauteile weichgelötet werden müssen. Vergleichbare Einsatzmöglichkeiten bieten das Lötfett in Pastenform und das Flussmittelgel C66: Beide Produkte unterstützen Arbeiten in der Metallgestaltung, bei Dachanschlüssen und Blechverwahrungen, in Heizungsinstallationen sowie in der Mechanik.
Die beliebtesten Produkte im Überblick
Die Auswahl des geeigneten Flussmittels richtet sich vor allem nach dem Grundwerkstoff.
- Kupfer und Messing: Installationen, Kühler und Metallgestaltung
- Lötwasser CLW / Lötwasser CWK: Hervorragend für Kupfer geeignet. Wie vielseitig Flussmittel für Kupfer eingesetzt werden können – vom Kunsthandwerk mit der Tiffany-Technik bis hin zur Industrie –, erläutern wir ausführlicher im Beitrag „Anwendungen von Lötwasser für Kupfer in verschiedenen Branchen“.
- Lötpaste LF Nr. 3: Ein bewährtes Standardprodukt für Installateure. Ideal zum Weichlöten von Kupferrohren in Trinkwasser- und Heizungsinstallationen sowie zum Vorverzinnen von Anschlussenden in der Elektrotechnik.
- Flussmittelgel C66: Aufgrund seiner nicht tropfenden Konsistenz besonders beliebt im Heizungsbau und in der Metallgestaltung.
2. Stahlbleche, verzinkte Bleche und Titanzink: Dach- und Konstruktionsarbeiten
Bauklempner- und Dacharbeiten erfordern hochaktive, säurehaltige Flussmittel, die auch anspruchsvolle Schutzschichten bewältigen können. In dieser Gruppe kommen überwiegend flüssige Flussmittel zum Einsatz, die allgemein als Lötwässer bezeichnet werden:
- Lötwasser ZWN und Lötwasser ZWS: Klassische Lötwässer, die hauptsächlich zum Weichlöten von verzinkten Stahlblechen, Zinkblechen und verschiedenen dünnwandigen Stahlbauteilen verwendet werden.
- Lötwasser ZW-witt: Ein Produkt mit ähnlichen Eigenschaften wie ZWN und ZWS, dessen Rezeptur zusätzlich auf das Weichlöten von Titanzink abgestimmt wurde.
Das Geheimnis der Wirksamkeit von Lötwässern
Produkte wie ZWN, ZWS und ZW-witt gehören zur Gruppe der säurehaltigen Flussmittel. Ihre hohe Wirksamkeit beruht auf dem enthaltenen Salzsäureanteil. Auch wenn Salzsäure nur in geringer Konzentration und Menge enthalten ist, spielt sie eine entscheidende Rolle. Sie löst die Oxidschicht schnell und intensiv auf, verbessert die Benetzung und das Fließverhalten des Lots erheblich und ermöglicht dadurch eine dauerhafte Lötverbindung auf anspruchsvollen Oberflächen wie verzinkten Blechen oder Titanzink.
Obwohl diese Produkte zu den bevorzugten Flussmitteln für Dacharbeiten gehören, bewährt sich insbesondere ZWN auch in Werkstätten, in denen dünne Stahlbauteile verbunden werden. Ein Beispiel dafür sind gelötete Gießkannen aus verzinktem Stahlblech.
3. Verzinnen und Karosseriearbeiten
WSN-Pasten in den Varianten 25, 40 und 60: Unverzichtbare lothaltige Pasten zum Weichlöten und Verzinnen im Karosseriebau, die auch in der Elektrotechnik sehr geschätzt werden. Mehr zum Verzinnen erfahren Sie im Beitrag „Karosserieverzinnen wird wieder gefragt: Warum lohnt es sich, Spachtelmasse zu ersetzen, und wie geht man richtig vor?“.
4. Spezialanwendungen: nichtrostender Stahl, Bleilöten und Elektronik
- Lötöl RST: Speziell zum Weichlöten von nichtrostendem Stahl entwickelt. Dieser Werkstoff erfordert aufgrund seiner ausgeprägten Chromoxidschicht ein besonders wirksames, darauf abgestimmtes Flussmittel. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Weichlöten von nichtrostendem Stahl – was sollte man über dieses Lötverfahren wissen?“.
- Lötöl PB23: Speziell zum Weichlöten von Blei in der Metallgestaltung und im Bauwesen vorgesehen.
- Flussmittelstift X32 von STANNOL und Kolophonium in Stücken: Produkte für das präzise Löten elektronischer Bauteile, die das Risiko von Kurzschlüssen und Korrosion an empfindlichen Schaltungen minimieren.
Allgemeine Hinweise: Anwendung und Vorgehen nach dem Löten
Selbst ein chemisch optimal ausgewähltes Flussmittel erfüllt seine Aufgabe nicht, wenn es falsch aufgetragen wird oder nach Abschluss der Arbeiten unsachgemäß mit seinen Rückständen umgegangen wird. Auf Grundlage der technischen Merkblätter unserer Produkte, unter anderem der Lötwässer ZWN und CWK, der Lötpaste LF Nr. 3 und des Lötöls RST, erinnern wir an die grundlegenden Regeln fachgerechten Lötens:
- Vorbereitung und Auftragen: Die zu lötende Oberfläche muss gründlich von Ölen und Staub gereinigt werden. Bei Kupferinstallationen sind die Fittings und Rohrenden mit speziellen metallfreien Reinigungsvliesen zu reinigen. Das Flussmittel wird gezielt und sparsam aufgetragen, vorzugsweise mit geeigneten Pinseln für Lötwässer und Lötpasten.
- Unbedingt erforderliche Reinigung nach dem Löten: Dieser Arbeitsschritt ist entscheidend. Flussmittelrückstände, die nach dem Löten auf Rohren, Kabeln, Leiterplatten oder Blechen verbleiben, müssen unbedingt mit einem feuchten Tuch oder einem geeigneten Reinigungsmittel, beispielsweise Isopropylalkohol, entfernt werden.
- Spülen der Installation: Werden Flussmittel in Trinkwasser- und Heizungsinstallationen eingesetzt, beispielsweise Lötpaste LF Nr. 3, muss die Installation zusätzlich gründlich mit Wasser gespült werden. Dabei sind die geltenden Hygienevorschriften einzuhalten.
- Warum ist das so wichtig? Das sorgfältige Entfernen von Flussmittelrückständen wirkt der Bildung grüner Ausblühungen entgegen, die durch Reaktionen chemischer Salze mit Kupfer entstehen. Gleichzeitig wird das Risiko einer besonders gefährlichen Lochkorrosion an den gelöteten Bauteilen erheblich verringert.
- Werkzeuge und Arbeitsschutz: Achten Sie stets auf die Pflege der Lötspitze, unter anderem mithilfe von Salmiak. Dies hilft, Einschlüsse in der Lötverbindung zu vermeiden und eine stabile Arbeitstemperatur sicherzustellen.
- Alle Flussmittel sind chemische Produkte und für den gewerblichen Gebrauch bestimmt. Bewahren Sie sie außerhalb der Reichweite von Kindern und in eindeutig gekennzeichneten Verpackungen auf.
Zusammenfassung
Bei der Auswahl eines Flussmittels zum Weichlöten sollte man sich nicht allein an Bezeichnungen wie „für Dachdecker“ oder „für den Fahrzeugbereich“ orientieren. Entscheidend sind vielmehr der zu bearbeitende Werkstoff und die unter den jeweiligen Arbeitsbedingungen am besten geeignete Konsistenz: flüssig, gelartig oder pastenförmig. Eine fundierte Auswahl des Flussmittels beeinflusst die Festigkeit der Verbindung, das Erscheinungsbild der Lötstelle und die Arbeitsgeschwindigkeit.
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